Mehr über Aufstellungsarbeit
Aufstellungen sind eine sehr effektive Klärungsmethode, bei der Sie im wahrsten Sinne des Wortes zusehen können, wie Dynamiken und Konflikte in kurzer Zeit sichtbar werden und sich auflösen. Durch die erlebte, körperliche Erfahrung des Systems im Raum entstehen oft tiefgreifende Erkenntnisse und Veränderungen, die neue Lösungen und bisher unentdeckte Handlungsmöglichkeiten für Ihr Anliegen eröffnen.
Was können Sie aufstellen?
Konkret wird Ihr Anliegen als eine Art räumliches Modell dargestellt. Personen, Rollen oder zentrale Faktoren werden im Raum positioniert und in Beziehung zueinander gebracht.
Als Aufstellungsleiterin mit über zwanzigjähriger Praxis kann ich die Dynamiken, die sich dabei m Raum ergeben, sehr schnell lesen und Impulse setzen, die eine Klärung und positive Veränderung der Situation möglich macht, auch bei sehr komplexen Systemen.
In einer systemischen Aufstellung erkennen Sie latente Dynamiken und Konflikte sehr deutlich und in kurzer Zeit. Dadurch gewinnen Sie neue Erkenntnisse über Ihr Thema. Sie erfahren in kurzer Zeit Entlastung und neuen Handlungsspielraum.

Mit Anfang 20 entdeckte ich Systemische Aufstellungen. Damals ging es um ein Familienthema, und diese erste Aufstellung brachte mit einem Schlag Klarheit in Jahre adoleszenter Rebellion. Das war der Urknall für eine Leidenschaft, die sich über die Jahre zu einem professionellen Schwerpunkt meiner Beratungsarbeit entwickelt hat.
Es folgten Jahrzehnte der Ausbildung und Praxis: durch eigene Aufstellungen, die Arbeit als Stellvertreterin, die Co-Leitung und schließlich die Leitung.
In dieser Zeit habe ich immer wieder erlebt, wie intensive, emotionale Momente entstehen können: Menschen im System werden plötzlich neu gesehen, erhalten eine Stimme, alte Wunden klären sich – manchmal über mehrere Generationen hinweg. Ich durfte miterleben, wie in Organisationen Rollen und Zuständigkeiten plötzlich klar wurden, wie sich Konflikte zeigten und auflösten, über die vorher nie wirklich gesprochen wurde.
Die Wirkweise einer Aufstellung lässt sich beschreiben, aber nicht vollständig erklären, denn der Prozess erschließt sich nicht über die Ratio, sondern über die körperliche und emotionale Resonanz im nachgebildeten System.
Konkret klärt die aufstellende Person im Gepräch mit der Leitung zunächst das Anliegen. Danach wird dieses Anliegen als eine Art räumliches Modell dargestellt. Personen, Rollen oder zentrale Faktoren werden im Raum positioniert und in Beziehung zueinander gebracht.
Menschen, Teams, Entscheidungsoptionen oder Ziele bekommen so einen Platz. Manchmal vertreten durch Personen, manchmal durch Figuren oder Bodenanker. Dann sieht man hin: Wer nimmt was wahr? Wer hat wen im Blick? Wer hat keinen Platz? Wo ist das gemeinsame Ziel?
Was dann im Raum sichtbar wird, kann erstaunlich präzise abbilden, was den oder die Aufsteller:in schon lange belastet, bisher aber nicht klar zu erkennen oder in Worte zu fassen war. Genau darin liegt für mich der größte Vorteil der Aufstellungsarbeit: Sie macht diffuse Beziehungsgeflechte und Muster in Systemen sehr schnell klar und einordbar. Das wiederum eröffnet der aufstellenden Person nicht nur neue Erkenntnisse, sondern auch einen neuen, deutlich erweiterten Handlungsspielraum, weil sie mehr sieht, mehr versteht und dadurch bewusster Entschiedungen treffen und Ziele definieren kann.
Wichtig ist dabei jedoch: In einer Aufstellung geht es nicht um die ultimative Wahrheit. Seriös verstanden liegt ihr Sinn nicht darin, ein Szenario zu entwerfen, das in der Folge genauso in der Realität eintritt oder einem konkrete Entscheidungen im Alltag erspart. Vielmehr geht es darum, der aufstellenden Person neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen. Diese entstehen durch die Erkenntnisse im Prozess und durch die Entwicklung, die das System während der Aufstellung durchläuft.
Und ja, man darf sich der Aufstellungsarbeit mit Skepsis nähern. Vor allem sollte man die unterschiedlichen Angebote auf Seriosität abklopfen:
Aufstellungsarbeit wird in sehr unterschiedlichen Formaten angeboten – darunter auch autoritäre oder mystifizierende Formen. Fachverbände kritisieren diese Ausprägungen zu Recht. Problematisch sind vor allem Formen der Aufstellungsarbeit, in denen das Geschehen nicht als subjektives, systemisches Erfahrungsbild verstanden wird, sondern als Zugang zu einer ultimativen oder objektiven Wahrheit. Dazu gehören autoritäre Vorgehensweisen, bei denen die Leitung mit Absolutheitsanspruch deutet und Klientinnen oder Klienten in dogmatische „Ordnungen“ gedrängt werden. Ebenso Heilsversprechen, Großgruppenformate ohne ausreichenden Schutzrahmen oder die Vorstellung, eine Aufstellung könne schwere und langwierige psychische oder körperliche Leiden ursächlich erklären oder lösen.
Professionelle Aufstellungsarbeit zeigt sich durch eine saubere Auftragsklärung, klare Grenzen, Gruppensicherheit und eine fachlich ausgebildete, erfahrene Leitung, die den gesamten Prozess sicher halten kann, ihn sensibel begleitet und immer die aufstellende Person und ihr Wohlergehen im Blick hat.
Aufstellungen wirken, weil sie in kurzer Zeit sehr viel Systeminformation sichtbar machen. Nicht als objektive Wahrheit, sondern als verdichtetes Erfahrungsbild. Gerade deshalb können sie so transformativ sein: Sie bringen das Unsichtbare in eine Form, mit der man arbeiten kann.
Manchmal entsteht sehr schnell Klarheit und eine einzige Aufstellung kann eine Erkenntnis oder Entscheidung einleiten, die das Leben verändert. Oft sind aber komplexe Muster und Widerstände am Werk, so dass man mit einer Aufstellung meist einen Teilbereich der erlebten Realität bzw. inneren Wahrnehmung beleuchtet – häufig denjenigen, der in der aktuellen Situation am wichtigsten ist. Das bringt neue Perspektiven und kann neues Verhalten initiieren. Um solche komplexen Muster ganz zu durchdringen und aufzulösen, braucht es meist einen längeren Prozess mit mehreren Aufstellungen und/oder anderen Interventionen, bis man ähnlich der Schichten einer Zwiebel bis zum Kern vordringt. Oft ist auch eine therapeutische Begleitung ratsam, gerade dann, wenn es sich um Familienaufstellungen handelt, in denen tiefsitzende, missbräuchliche Strukturen sichtbar werden. Eine kompetente Aufstellungsleitung wird das erkennen und empfehlen.
Aufstellungen in Gruppen mit menschlichen Stellvertretern haben darüber hinaus noch einen ganz anderen Mehrwert, der oft übersehen wird: Sie bringen Freude! Nicht nur, weil sie zu neuen Erkenntnissen verhelfen, sondern weil sie die Teilnehmer auf sehr schöne und bewegende Weise in Kontakt miteinander bringen.